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Hypnose · Wissen · Show

Hypnose - was ist das?

Wir unterscheiden drei Zustände des Bewusstseins: Wachzustand, Traumschlaf und Trance. Während deine Wahrnehmung im Wachzustand nach außen gerichtet ist (bewusste Wahrnehmung), bewegst du dich im Traumschlaf in deinem Unbewussten. Der Zwischenzustand, in dem sich die Grenzen zwischen Wachzustand und den unbewussten Anteilen zunehmend auflösen, wird als Trance bezeichnet.

Das Runners High im Laufsport ist eine Trance, ganz ähnlich der Trance im ekstatischen Tanz. Die Meditation führt in eine Trance, ebenso das Autogene Training, das eine Sonderform der Hypnose darstellt. Hinzu kommt die drogeninduzierte Trance, vornehmlich durch Psychoaktiva wie Psylocobin oder Lysergsäurediethylamid (LSD) erreichbar - soll hier aber nicht empfohlen werden. Das Besondere an einer Trance ist, dass du in einem solchen Zustand willentlichen und direkt Einfluss auf dein Unbewusstes nehmen kannst. Die Hypnose ist eine natürliche Form der Trance, die auch oft spontan auftritt, und kann als "Goldstandard" der Trance bezeichnet werden.

Eine kurze Geschichte der Hypnose

Die Kulturgeschichte der Hypnose beginnt mit dem altägyptischen Tempelschlaf (Enkoimesis), der von den alten Griechen und Römern übernommen wurde. Hierbei wurden die Tempelbesucher nicht nur in Trance versetzt, es gab auch ausgeklügelte Systeme, um die Suggestionen der Priester besonders wirkungsvoll zu gestalten. Ein anschauliches Beispiel für rituelle Hypnose im Altertum ist das unterirdisch angelegte Hypogäum von Ħal-Saflieni auf Malta, das von 3800 bis 2500 v.Chr. bestand hatte.

Ab dem Mittelalter können z.B. christliche Kirchen als Orte der Hypnose verstanden werden: Gerade die Kombination aus religiöser Verzückung, Fokussierung auf Altar oder Kruzifix und einer sonoren Predigt, kann stark hypnosedierend wirken. Im Kontext des Christentums muss auch das Exorzismus-Ritual genannt werden, von dem aus die Brücke zum Okkultismus nicht mehr weit ist. Ab dem 18. Jahrhundert finden sich vermehrt okkulte Rituale, die sich klar erkennbar Hypnose und hypnotische Effekte zunutze machen. Nicht zu vergessen sind die Jahrtausende alten Trance-Techniken, die vor allem im indischen und fernöstlichen Raum weit verbreitet waren und sind.

Mit dem begnadeten Praktiker Franz Anton Mesmer (*1734 in Iznang; † 1815 in Meersburg) erreichte die methodische Nutzung der Hypnose die Neuzeit. Obwohl Mesmers Erklärungen der von ihm ausgelösten Effekte schon damals keiner Prüfung standhielten - er postulierte den animalischen Magnetismus - war seine Arbeit ein Meilenstein in der Methodik und der praktischen Nutzung der Hypnose als Therapieform. Sigmund Freud (* 1856 in Freiberg in Mähren; † 1939 in London) hingegen war ein ausgesprochen unfähiger Hypnotiseur, was sich gut aus seinem strengen und lieblosen Charakter ableiten lässt. Als Gegenentwurf zum spröden Freud kann der US-Amerikaner Milton H. Erickson (* 1901 in Aurum; † 1980 in Phoenix) gesehen werden, der die Nutzung der Hypnose in der Psychotherapie maßgeblich beeinflusste.

Albert von Keller - Hypnose bei Schrenck-Notzing

Nutzbarkeit von Hypnose

Der Zustand einer Hypnose wird durch mentale und (meist) körperliche Entspannung erreicht. So ist schon die reine Hypnosedierung eine nützliche Entspannung, die bei regelmäßiger Anwendung eine positive Wirkung auf die Stressregulation besitzt - in der modernen Welt wichtiger denn je. Gerade die Möglichkeit zur Selbstanwendung macht Hypnose hierbei interessant.

Sehr effektiv ist Hypnose bei der Unterstützung bzw. Verfestigung gewünschter Verhaltensänderungen, wie z.B. der Rauchentwöhnung. Ein weiteres Anwendungsgebiet der Hypnose ist die Schmerzfreiheit, die bei gut trainierten bzw. hochsuggestiblen Personen sogar die Narkose im Rahmen von Operationen ersetzen kann. Ein spannender Nebeneffekt ist hierbei, dass der Heilungsprozess nach einer Operation mit Hypnose oft schneller voran schreitet, als nach einer Operation mit medikamentöser Anästhesie. Das mentale Training im Sport ist ein Feld, in dem Hypnose - sehr klar vom therapeutischen Gedanken getrennt - zur Verbesserung und Automatisierung vorhandener Fähigkeiten mit hoher Effizienz verwendet wird. Im Video ein weiteres Beispiel für die Verbesserung von Fähigkeiten via Hypnose:

Autogenes Training

Das Autogene Training ist eine Form der Selbsthypnose. Hierbei werden sieben Schritte gegangen (Ruhe, Schwere, Körperwärme, Kreislauf, Atemregulation, Solar Plexus, Stirn), die bei geübtem Ablauf in eine stabile hypnostische Entspannung fuhren. Aufbauend auf diesen Zustand, können z.B. therapeutische Selbstanwendungen vorgenommen werden. Der Psychiater Johannes Heinrich Schultz (* 1884 in Göttingen; † in West-Berlin) entwickelte das Autogene Training, von der klassischen Fremdhypnose kommend, als Methode zur Selbsthypnose und Selbstanwendung einer hypnotischen Trance. Die einzelnen Bereiche, die in der Unterstufe angesprochen werden und in den erwünschten Zustand fuhren, sind:

 1. Ruhetönung
 2. Wahrnehmung der Körperschwere (vornehmlich: Muskelschwere)
 3. Wahrnehmung der Körperwärme (vornehmlich: Muskelwärme)
 4. Regulierung des Blutkreislaufs
 5. Regulierung der Atmung
 6. Regulierung des Solar Plexus
 7. Stirnkühle

Die Einfachheit dieser Unterstufe liegt sowohl in der leicht zu erlernenden Methodik der Autosuggestion (z.B. "Mein linker Arm ist ganz schwer."), wie auch in der Kürze der einzelnen Übungen und der immer gleichen Reihenfolge. In der Oberstufe des Autogenen Trainings können auf der Basis einer stabilen hypnotischen Trance diverse therapeutischen Maßnahmen selbstständig ergriffen werden.

Skizze des Autogenen Trainings

Trance und Wachtrance

Die Begriffe Trance und Wachtrance sind etwas irreführend, da eine Trance grundsätzlich im Wachzustand stattfindet, nicht aber im Schlaf. Die Trance kann hierbei sowohl Überbegriff für alle Formen der Trance gesehen werden, aber auch als Gegenpol zur Wachtrance. Um es anschaulich zu halten, soll die Trance in diesem Absatz als Gegenpol zur Wachtrance begriffen werden.

In diesem Sinne ist eine Trance der Zustand, der sich durch hohe Suggestibilität, einen starken Fokus auf innere Prozesse und ein "sich abwenden" von der äußeren Welt auszeichnet - z.B. die klassische Hypnose mit geschlossenen Augen. Eine Wachtrance ist ebenfalls eine (leichte) Trance, die Suggestibilität ist ebenso vorhanden, die Person steht aber gleichzeitig in direkter Interaktion mit ihrer Umwelt, wobei der Fokus zumindest in Teilen klar auf diese Umwelt gerichtet ist. Die betreffende Person weiß oft nicht, dass sie sich in einer Wachtrance befindet. Als Beispiele kann die tiefe Versenkung von Kindern in ihr Spiel genannt werden, der extatische Tanz, wie auch das "eins sein" mit Musik und Instrument, wie es geübte Musiker oft erleben.

Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Five_year_old_child_in_a_state_of_sadness_and_introspection,_listening_to_trance_music_at_a_trance_music_party.jpg

Wer hat die Kontrolle?

In einer Hypnose ist es weder der Hypnotiseur, der die Kontrolle übernimmt, noch der eigene bewusste Wille. Dadurch, dass sich dieses bewusste, "willentliche" Steuern auf die Position eines Beobachters zurück zieht, wird die Kontrolle an die unbewussten Anteile abgegeben. In klassischen Hypnose-Shows wird zwar der Eindruck erweckt, der Hypnotiseur würde seine "Opfer" kontrollieren, doch spielen hierbei Tricks und Täuschungen eine wichtige Rolle.

Trotzdem kann sich eine geleitete Ersthypnose anfühlen, als wäre man fremdgesteuert. Fremd ist dabei, die Kontrolle an die unbewussten Anteile abzugeben. Mit etwas Übung verschwimmen die Grenzen zwischen den bewussten und den unbewussten Anteilen so weit, dass die Prozesse einer Hypnose auch willentlich gesteuert werden können. Die lenkenden Suggestionen des Hypnotiseurs bei einer Fremdhypnose wirken nur, wenn sie auf eine (unbewusste) Bereitschaft treffen. Die Rolle des Hypnotiseurs ist also eine begleitende und Anstöße gebende, jedoch keine kontrollierende oder dominierende Rolle.

Grenzen der Hypnose / Kontraindikationen

Theoretisch liegen die Grenzen der Hypnose dort, wo der Geist keinen Einfluss mehr auf sich selbst oder den Körper nehmen kann. Diese Grenze der Einflussnahme ist u.a. von der individuellen Situation, dem konkreten Ziel und der persönlichen Erfahrung mit Hypnose abhängig. Was im Blick bleiben sollte, das sind die Kontraindikationen: Situationen, Eigenschaften (z.B. Krankheit) usw., die eine Hypnose entweder unmöglich oder sogar gefährlich machen. Epilepsie und diverse psychotische Störungen sind absolute Kontraindikationen, wohingegen Alkohol in Maßen nicht zwingend stören muss.

Mit Blick auf den Hypnotiseur ist Vorsicht geboten, wenn schnelle Lösungen ohne eigene Leistung versprochen werden. Einerseits kann Hypnose tatsächlich schnelle und dauerhafte Ergebnisse erzielen, andererseits sind wir gerade im Coaching-Bereich oft mit Symptomverschiebungen konfrontiert, die das eigentliche Problem umgehen, die Klienten jedoch "erfolgreich" von einem Sypmtom zum nächsten treiben. Auch deshalb empfiehlt es sich, eigenes Wissen und eine persönliche Erfahrung aufzubauen, bevor Hypnose als therapeutisches Werkzeug in Betracht kommt.

Meine persönliche Geschichte der Hypnose

Meinen Erstkontakt zur Hypnose hatte ich Anfang der 2010er im Rahmen meiner Dozententätigkeit an der Universität Würzburg. Dort entwickelte ich eine spezielle Atemübung zur Emotions-Regulation, die sich im Nachhinein als eine wirkungsvolle Methode der Hypnosedierung erwies.

Portrait Dominic Memmel
Dominic Memmel
dominic-memmel.de
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Schon frühzeitig in meinem Leben hatte ich mit Suggestionen und Bildsprache zu tun, was sich in den 2000er-Jahren durch vielfältige Arbeiten in Theater und Hörspiel verfestigte: gerade im Geschichtenerzählen sind Bildsprache und Suggestionen elementar. Mein Interesse war geweckt, ohne dass mir in dieser Zeit der Begriff "Hypnose" in diesem Kontext über den Weg gelaufen wäre. Als Dozent für Rhetorik und Sprechsicherheit baute ich auf meine Expertise zu Sprache, Atmung und die Regulation von Emotionen auf und entwickelte im Rahmen eines Seminars eine Atemübung, die dabei helfen sollte, Emotionen gezielt und ad hoc zu regulieren. Die Übung war ein voller Erfolg - und erzeugte Wirkung auch darüber hinaus.

Bei der zufälligen Lektüre eines Fachbuchs zur Hypnose, Stokvis - Lehrbuch der Hypnose, wurde mir bewusst, dass ich mit meiner Atemübung eine bis ins Detail korrekte und sehr wirkungsvolle Hypnose-Methode entwickelt hatte. Während sich mein öffentliches Leben in den 2020er-Jahren vor allem im Rahmen der Klimawissenschaften abgespielt hat, habe ich mein Wissen und meine Fähigkeiten in Sachen Hypnose stetig erweitert.

Was mir schon lange in der Öffentlichkeit zu kurz kommt, ist eine Vermittlung der Hypnose in einer Form, die sowohl unterhaltsam wie auch wissenschaftlich haltbar daher kommt - übliche Hypnose-Shows werden diesem Anspruch nur selten gerecht. Deshalb habe ich mich dazu entschieden, eine eigene Hypnose-Wissens-Show zu etablieren.